Eine Geschichte über das „sich endlich trauen“

Lange stand es schon in der Garage. Ursprünglich war es der sehnlichste Wunsch der jungen Dame zur vorletzten Weihnacht. Aber erst war das Wetter nicht richtig und dann …

Es geht um das Fahrrad der jungen Dame. Als es Weihnachten endlich unter dem Baum stand (inkl. rosa Helm natürlich) wollte sie es gleich ausprobieren. Schnell wurden die notwendigen Einstellungen vorgenommen und noch im Hausflur ging es los. Erstmal mit Stützrädern, da die Sache mit dem Gleichgewicht ohne Erfahrungen auf dem Laufrad etwas Neues war.

Im Sommer, nach reichlich radfahren üben mit den Stützrädern, sollten selbige endlich weg. Die junge Dame war davon auch begeistert – bis sie merkte, dass so ein Fahrrad auch kippen kann. Nach einigen Versuchen gab sie auf. Die Angst, umzufallen, war zu groß. Also wurden die Stützräder wieder anmontiert, allerdings so hoch, dass sie das „Gleichgewicht halten“ üben, aber nicht umfallen konnte. Trotzdem stand das schöne Rad bald dauerhaft in der Garage und sie war nicht zum Weiterüben zu motivieren. Lieber fuhr sie auf ihrem viel zu kleinen Dreirad. Schlussendlich haben wir sie gelassen. Zwingen kann man sie schließlich nicht und sie würde bestimmt von alleine wieder aufs Rad steigen.

  
Es wurde Herbst, dann kam der Winter und endlich der Frühling – und mit ihm der fünfte Geburtstag. Der größte Wunsch? Ein Roller sollte es sein und den bekam sie auch. Nach anfänglicher Skepsis (ihhh, der wackelt ja auch!) lernte sie sehr schnell das Gleichgewicht zu halten und cruiste bald, ganz cooles Mädchen, damit durch die Gegend. Die jüngeren Nachbarsmädchen lernten derweil Fahrradfahren – ohne Stützräder. 

  
Ob das am Ende den Auschlag gab, ich weiß es nicht. Am Wochende jedenfalls wollte meine Große wieder Fahrradfahren und die Stützräder mussten sofort weg. Also wurden sie fix wieder abmontiert und sie setzte sich aufs Rad. Zwei Runden musste ich noch nebenher laufen zum Halten und Fangen, dann fuhr sie ganz alleine die Straße hoch und runter. Es war wunderbar anzuschauen, wie stolz sie war, nun endlich auch ohne Stützräder fahren zu können.

  
Nicht nur meine Tochter war stolz. Auch ich bin sehr stolz auf sie, weil sie sich getraut hat und ihre Angst vor dem Fallen nicht mehr im Vordergrund steht. Und ich habe etwas daraus gelernt: sie ist zwar ein Wirbelwind, der keine Kletterwand und kein Trampolin auslässt, aber für manche Dinge braucht sie ihre Zeit. Zeit, um den Respekt und die Angst in den Griff zu kriegen. Danach geht alles ganz schnell. Sie braucht unser Vetrauen, dass wir sie unterstützen, ihr aber ihren Rhythmus und Raum zum Lernen lassen.

In diesem Sinne: Alles Liebe
Anja

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Eingeordnet unter Kinder, Kinder..., Leben

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